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| Donnerstag, 15. Mai
2003 |
| WANGEN-BRÜTTISELLEN /
Interessengemeinschaft Wildflora tritt ihren Pachtvertrag an
Kanton Zürich ab |
| Echtes Gnadenkraut begnadigt |
| Die Anlage in Wangen-Brüttisellen ist
Samenbank, Säuglingsstation und Kindergarten in einem und
national die einzige in Privatbesitz. Das heisst, sie war es,
bis gestern. Jetzt hat der Kanton Zürich den Pachtvertrag
übernommen. |
| Marco Häusler |
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| Peter Bringolf, Naturschutzbeauftragter in
Wangen-Brüttisellen, ist Initiant der Interessengemeinschaft
Wildflora, die in der Gärtnereianlage neben dem Friedhof
seltene Wildpflanzen zwischenkultiviert. (Bild: Peter
Würmli) |
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Die «Kinder», die in Wangen-Brüttisellen
vermehrt und grossgezogen werden, sind seltene und bedrohte.
«Pulsatilla vulgaris» oder «Veronica prostrata» heissen sie,
«Küchenschelle» und «niederliegender Ehrenpreis» zu Deutsch.
Einige von ihnen, wie das «Gratiola officinalis» oder «echte
Gnadenkraut» sind wohlerzogen und wachsen brav, andere, wie
die «Aldrovanda vesicula» oder «Wasserfalle», sind gierige
Fleischfresser und schwierig zu betreuen. Die insgesamt 50
verschiedenen Arten, die in drei grossen Beeten neben dem
Friedhof Wangen gezüchtet und verhätschelt werden, haben eines
gemeinsam: die Pflanzen kommen in der freien Natur fast nicht
mehr vor, weil ihre Lebensräume verschwunden, zu klein
geworden oder in anderer Weise bedroht
sind.
Management zum Nulltarif
«Das ist
bereits Naturmanagement, was hier betrieben wird», sagte Peter
Bringolf, Präsident des örtlichen Natur- und
Vogelschutzvereins und Naturschutzbeauftragter von
Wangen-Brüttisellen, an der gestrigen Medienkonferenz vor Ort.
Stattgefunden hatte diese, weil der Pachtvertrag für die
gemeindeeigene Parzelle ofiziell an die Fachstelle Naturschutz
und damit letztlich der Baudirektion des Kantons Zürich
übergeben wurde. Zum Nulltarif, zu dem er schon zuvor im
Besitz der Interessengemeinschaft (IG) Wildflora
war.
Gegründet wurde diese zwar erst nach der
Jahrtausendwende. Als ihr Initiant hatten Bringolf und
zahlreiche freiwillige Helferinnen und Helfer dem kantonalen
Projekt «Pulsatilla» aber schon Geburtshilfe geleistet, als
sie im Frühling 1998 davon hörten.
Gerettete
Küchenschelle
Auf «Pulsatillas» Wurzeln stösst man
1993, als die Geobotanikerin Regula Langenauer als
Praktikantin bei der Fachstelle Naturschutz ein Inventar über
noch vorhandene Bestände der Küchenschelle erstellte. Von der
Wildpflanze, die dem Projektleiter botanischer Artenschutz,
Andreas Keel, besonders am Herzen lag, existierten nur noch
wenige 100 Exemplare, etwa bei Eglisau oder Weiach.
Das
Projekt unter ihrem lateinischen Namen zur Erhaltung und
Vermehrung seltener und gefährdeter Wildpflanzen lancierte die
Fachstelle Naturschutz gut fünf Jahre
später.
Fronarbeit professionalisiert
In
Wangen-Brüttisellen stiess die Idee auf fruchtbaren Boden. Er
befand sich in der völlig überwucherten ehemaligen
Handelsgärtnerei, welche die Gemeinde einst als Landreserve
für eine allfällige Erweiterung des Friedhofs erworben hatte,
wie Bausekretär Harry Schneider erklärte.
Der
Zivilschutz rodete die Pflanzentröge, Mitglieder der
Sportschützen Brüttisellen und des Kleintierzüchter-Vereins
fällten einige Bäume. Im November 1998 wurden die ersten
Pflanzen aus dem botanischen Garten geliefert, und Anfang 2000
waren zwei Pflanzentröge in Betrieb. Den dritten säuberten elf
Helferinnen aus dem Frauenverein Brüttisellen, und die Arbeit
der IG Wildflorea wurde mit dem pensionierten Gärtnermeister
Odo Singer immer
professioneller.
«Low-Cost»-Erfolgsgeschichte
Als
wahre «Erfolgsgeschichte» berichtete Bringolf vom Gnadenkraut
als Beispiel. Dessen letzte Population im ganzen Kanton wurde
am rechten Zürichseeufer gefunden. Nach der erfolgreichen
Zwischenkultivierung in Wangen konnte es unter anderem am
Greifensee wieder ausgepflanzt werden, wo es sich heute selbst
vermehrt.
Wohl mit Recht bezeichnete Keel «Pulsatilla»
gestern als «Low-Cost»-Projekt. Das Jahresbudget für die
Wangemer Anlage, die weiterhin von der IG Wildflora betreut
wird, beträgt gerade einmal 5500
Franken. | | |
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